Freitag
Wow, ich kann einfach nur
sagen: Wow. Bereits 2005 hatte ich den Wunsch, das Wave-Gotik-
Treffen in Leipzig zu besuchen und dieses Jahr hatte es sich auch
tatsächlich verwirklicht. Zugtickets und Karten wurden recht früh
gebucht, ohne überhaupt zu wissen, welche Bands auftreten und wie
das Programm aussieht. Aber egal, ich war mir sicher, dass es super
wird. Die Wochen vor Pfingsten waren eine Mischung aus Prüfungsstress
und großer Vorfreude.
Und dann, Freitag, den
17.05., der Tag nach meiner letzten schriftlichen Prüfung, ging es
dann mit
meiner Liebsten auch direkt ins schöne Leipzig. Sechs Stunden und 40 Minuten waren wir, inklusive Wartezeiten, mit Bus und Bahn unterwegs. Die Fahrt durchaus angenehm. Dort angekommen haben wir schon einige Schwarzkittel aller Arten sehen können. Meine Liebste Sophie hat sich gleich am Bahnhof ein Paar pseudo-viktorianische Schuhe gegönnt, die später auch noch zum Einsatz kamen. Meine Cousine, die uns Unterkunft gewährt hat, hat uns dann am Bahnhof abgefangen und zusammen haben wir unsere Bändchen geholt. Danach hieß es: Ankommen und Sachen ablegen. Nach einer guten Stärkung wollten wir natürlich gleich die Stadt erkunden. Es trieb uns also wieder Richtung Innenstadt.
meiner Liebsten auch direkt ins schöne Leipzig. Sechs Stunden und 40 Minuten waren wir, inklusive Wartezeiten, mit Bus und Bahn unterwegs. Die Fahrt durchaus angenehm. Dort angekommen haben wir schon einige Schwarzkittel aller Arten sehen können. Meine Liebste Sophie hat sich gleich am Bahnhof ein Paar pseudo-viktorianische Schuhe gegönnt, die später auch noch zum Einsatz kamen. Meine Cousine, die uns Unterkunft gewährt hat, hat uns dann am Bahnhof abgefangen und zusammen haben wir unsere Bändchen geholt. Danach hieß es: Ankommen und Sachen ablegen. Nach einer guten Stärkung wollten wir natürlich gleich die Stadt erkunden. Es trieb uns also wieder Richtung Innenstadt.
Fest eingeplant war die
Autogrammstunde von The 69 Eyes im Städtischen Kaufhaus. Die
Adresse hatten wir, der Weg war einfach zu finden, nur der Eingang
nicht.
Nach kurzem Überlegen
sind wir zum agra-Gelände gefahren und haben uns dort ein
wenig umgesehen. Ich muss beim ersten Eindruck einigen Kritikern
Recht geben. Abgesehen davon, dass überall Anhänger der Schwarzen
Szene in allen erdenklichen Varianten rumlaufen und Fotografen nicht
weit weg sind, machen die Stände den Eindruck eines Rummels. Der
Platz ist gespickt von Fressbuden und Getränkeständen. Okay, die
Leute wollen versorgt werden.
Die Einkaufshalle war im
Prinzip wie erwartet. Stände mit Klamotten, Schuhen, Schmuck, Stände
mit reinem Steampunkzubehör und SM-Zubehör. Zu unserer Freude gab
es aber auch einige Stände mit CDs und Platten, teilweise von
Urgesteinen der Szene und anderen guten Künstlern. Habe da meiner
Liebsten das „Nosferatu“-Album „Lord of the Flies“
gekauft, worüber sie sich sehr freute.
Leider habe ich kaum
Buttons und Patches gefunden, die mich wirklich angesprochen haben.
Was an Patches vorhanden war, waren nur die, die man sonst auch
überall findet und meiner Meinung nach eigentlich ziemlich fehl am
Platz waren.
Dennoch habe ich an einem
Stand meinen Bestand an Buttons und meine Jacke um einen Patch
aufbessern können. Dann war es auch schon bald an der Zeit, zu The
69 Eyes zu gehen. Durch die Halle konnten wir leider nicht, da
die Verbindung lediglich als Ausgang diente. Daher mussten wir einmal
um die Halbe Halle herumlaufen und durch den offiziellen
Konzerteingang reingehen. Letzter Soundcheck und kurz darauf ging es
dann auch los. Die Jungs, denen ich nachmittags noch die Hand
geschüttelt habe, standen jetzt ein paar Meter vor mir auf der Bühne
und spielten Songs, die ich teilweise noch nicht kannte, machten ihre
Sache aber super. Meiner Liebsten wurde es etwas zu viel, woraufhin
wir zwar die Halle erst verließen, jedoch in der Nähe blieben und
auf der Wiese sitzend, mit einem Teller „Chilli non carne“ vom
Veggie-Stand, noch ein wenig Musik mitbekamen.
Samstag
(Ian-Curtis-Gedenktag)
Das Wetter am Morgen war
genau so, wie wir es nicht wollten: Regnerisch. Nach einem guten
Frühstück sind wir unter einem schwarzen Spitzenschirm zum
Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen gelaufen. Dort
erwartete uns die Ausstellung „Kinder der Nacht – unangepaßt
und überwacht“ - Schwarze Szene in der DDR. Die Ausstellung
war in einem Wort: Grandios!
Im Foyer wurde eine
zusammenfassende Powerpointpräsentation der ausgestellten Unterlagen
gezeigt. In den oberen Stockwerken ging es dann tiefer in die Materie
„Gruftie“. Es wurden Ausschnitte aus Akten, Fotos und Zitaten
gezeigt, die im Kern oft das Gleiche aussagten, jedoch kein
einheitliches Bild der Szene zeigten. Es hatte den Anschein, dass die
Stasi-Mitarbeiter sich nicht einig darüber waren, wie Grufties
einzuschätzen sind. Mal waren sie staatsfeindlich, satanisch,
negativ und dekadent oder harmlose Spinner. Ich habe nebenbei dadurch
auch erfahren, dass §220 des StGB in der DDR die Staatsverleumdung,
die den Schwarzkitteln so vorgeworfen wurde, unter Strafe stellte.
Hauptsächlich wurde das
Aussehen der „Goortiks“/“Gruftys“ und „Luciferjünger“
beschrieben, sowie die üblichen Klischees von Friedhofsvandalismus,
Suizid und Ratten als Haustieren bedient. Nebenbei haben wir auch
unseren musikalischen Horizont erweitert und Künstler wie „The
Chur“, „The Cuve“, „The Cur (ausgesprochen
De Kühr)“ [Ich gehe stark davon aus, dass es sich bei letzteren um
Coverbands der „Churs“ handelt], The Sister of Merci aus
der BRD [vermutlich angelehnt an eine nach Pralinen süchtigen
Nonne], „Depache Mode“
und „Ellen Klag“
kennengelernt. Insgesamt stehen Grufties auf „müstische
Musik“, wie etwa „Blake
Medall“.
Des
Weiteren wurden wir darüber aufgeklärt, dass ein richtiger Gruftie
mit 25 sein Leben beenden muss, aber alternativ auch eine Ehe
eingehen kann, da damit ja auch das Leben beendet sei.
Wichtig
zu wissen ist auch, dass sich Grufties bevorzugt mit
NUT-Reinigungsmittel und ihrem „Möhrensaft“ berauschen.
Wer
mir das nicht glauben will, der werfe selbst einen Blick in die
Akten.
Anzumerken
ist, dass wohl die meisten dieser Klischees auch der Wahrheit
entsprachen. Man weiß nicht wirklich, was amüsanter sein soll: Die
Tatsache, dass die Stasi nicht einmal Rechtschreibung und Grammatik
beherrschen musste, oder die Tatsache, dass die damaligen Szenegänger
tatsächlich ernst meinten, was sie da sagten und taten: „Satan
gibt mir nicht die Kraft, so viel zu essen, wie ich auf die DDR
kotzen muss“.(Zitat
aus der Powerpointpräsentation)
Anschließend ging es mit meiner Cousine Ruth und zwei ihrer Freunde
in ein schnuckliges, kleines Bistro namens „Tasty Fresh“ in der
Nähe des Städtischen Kaufhauses. Das Essen dort war so spitze, dass
es uns am nächsten Tag nochmal dort hintrieb. Auf dem Weg dahin
sahen wir noch einen Mob Schaulustiger. Es stellte sich heraus, dass
die bestaunte Attraktion eine mit Dampf angetriebene
Metall-Maus/-Ratte war. Wohl eher eine Ratte, da ja jeder Gruftie
eine Ratte besitzen muss.
Das Wetter hatte sich inzwischen wieder gebessert und der schwarze
Spitzenschirm fungierte nun als Sonnenschutz.
Trotz
Widerwillen ließ sich Sophie an der Moritzbastei
von ein paar Leuten ablichten. Auch dort wurde – ähnlich wie an
der agra – exzessives Schaulaufen betrieben.
Danach
machten wir uns auf dem Weg zum Viktorianischen
Picknick,
stellten aber nach endlosem Suchen fest, dass das Freitag schon
stattgefunden hatte und auch generell nur einmal stattfindet. Das von uns gesuchte Picknick war ein anderes, dessen Name mir aber nciht mehr einfällt. So setzten wir uns einfach in den Park und
genossen die Sonne.
Abends
ging es schließlich zum Konzert der türkischen Wave-Band „She
Past Away“
im Anker. Zu unserer Überraschung trafen wir dort Robert
und
Sabrina
von spontis ,
sowie weitere nette Spontis-Sympathisanten. Es war doch unerwartet, wie voll es bei diesem Konzert war, wo She
Past Away doch noch eine recht junge, unbekannte Band zu sein schien.
Auf der Bühne waren „nur“ der Sänger/Gitarrist und der Bassist;
Drums und Synths kamen vom Band. Das Konzert hat mir durchaus
gefallen, auch wenn fast alle Lieder ähnlich klangen. Im Rückblick
war es sogar das einzige Konzert, welches wir komplett gesehen haben.
Nach dem Konzert sind wir noch einmal zur agra gefahren, um dort
noch ein wenig zu konsumieren und in der Hoffnung, dass ich noch ein
paar Fotos schießen könnte. Allerdings war es bei unserer Ankunft
bereits zu dunkel dafür und wir sind gleich in Richtung
Einkaufsmeute gewandert. Mit ein paar Shirts mehr im Gepäck haben
wir uns dann noch einen Teller Chilli schmecken lassen und uns danach
auf den Heimweg begeben.
Sonntag
Nach
dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Südfriedhof.
Der war eigentlich auch für Samstag geplant, aber das wäre zu viel
gewesen.
Das Wetter war fantastisch; Sonne, wenig Wind, warm. Perfekt zum
Erkunden ohne zu viel mitzuschleppen. Angekommen sind wir am
Völkerschlachtsdenkmal, welches wir uns dann auch genauer angesehen
haben. Allerdings haben wir keine Tafel mit Infos gefunden und an der
Info wollten wir auch nicht stundenlang anstehen. Etwas enttäuscht
liefen wir dann direkt zum Friedhof. Ohne ein Ziel vor Augen sind wir
losgelaufen. Die Atmosphäre war verträumt und romantisch. Hier und
da habe ich schöne Fotomotive gefunden und Sophie durfte ebenfalls
posieren. Auf irgendwelchen Umwegen haben wir dann auch die
Trauerhallen erreicht, wo schon wieder sehr tatkräftig gepost und
fotografiert wurde. Die Fotographen waren allerdings auch so sehr
damit beschäftigt, ein halbnacktes Model zu knipsen, dass wir völlig
außen vor waren und unsere Ruhe hatten. Mich selber hat dann das
Gebäude doch mehr interessiert. Hier haben wir uns ausgeruht, da es
inzwischen heiß wurde und wir natürlich den Weg mit dem wenigsten
Schatten gegangen sind (was mir aber auch ein gutes Foto beschert
hat). Nach kurzem Aufenthalt ging es wieder weiter in die Tiefen des
Von
dort machten uns auf die Suche nach Knabbereien für das anstehende
Spontis-Treffen,
bis wir auf die Idee kamen, dass sämtliche Läden geschlossen waren.
Gestärkt durch einen erneuten Besuch beim „Tasty Fresh“ und der Autogammstunde von The Birthday Massacre hieß es
dann: Ab zum Treffen! Es waren bereits ein paar Leute da, jedoch
nicht so viele, dass wir sofort die richtige Gruppe ausfindig machen
konnten. Wir wurden äußerst freundlich empfangen. Neben Robert und
Sabrina haben wir auch noch andere bekannte Gesichter vom Vorabend
oder aus Frankfurt
(Spontis-Treffen im Städl zur schwarz-romantischen Ausstellung)
getroffen. Anfangs fühlten wir uns noch nicht völlig drin und waren
eher für uns, aber nach und nach wurde immer es lockerer. Auch hier
wurden wieder viele Fotos gemacht und posiert, jedoch auf einer
anderen Ebene ;). Am Interesantesten empfand ich unsere Begegnung mit
Parm und Katharina
vom Schemenkabinett,
da die beiden ebenfalls aus Gießen kommen und Sophie und mich
zumindest vom Sehen her kennen. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie
klein die Welt doch ist. Robert und Sabrina haben außerdem ihre
Spontis-Zeitung verteilt und es gab noch den jährlichen Button.
Sogar Herr Florian
von Karnstein (Farblos)
und seine Liebste Libbit
ließen sich bei der Gruppe blicken, wenn auch nur in Vertretung
durch einen Erpel und eine Ente; ein Insider, den wir zwar bereits
kannten, aber erst beim Treffen erklärt bekamen. Einige Gespräche,
Lacher und Fotos später war es Zeit für das obligatorische
Pikes-Foto.
Da nicht alle Pikes hatten, gab es auch noch genug Leute, die das
ganze fotografieren konnten.

Das
Treffen näherte sich bald auch langsam aber sicher dem Ende und so
machten wir uns auch schweren Herzens auf den Weg. Wieder zog es uns
zur agra, um sämtlichen Freunden etwas mitzubringen. Es war bereits
Frühabend und so schlenderten wir noch gemütlich auf dem Gelände
und in der Einkaufshalle herum, wo wir auch noch fündig wurden. Die
Zeit verging ziemlich schnell und eigentich wollten wir noch zu The
Birthday Massacre,
die 20:30 Uhr in der agra-Halle spielten. Allerdings meldete sich
Ruth kurz vor dem Konzert und brauchte ihren Schlüssel, den ich
dabei hatte. Daheim angekommen bin ich auch gleich wieder alleine
weg, da Sophie zu müde war. Ich wollte mich noch mit meiner
Schulkameradin Sabina
auf der agra treffen. 22:10 Uhr war ich endlich wieder zurück und
gemeinsam mit ihrem Freund und weiteren Leuten sahen wir uns
Lacrimosa
an und sind später ins Heidnische Dorf gewandert, mein erster Besuch
überhaupt hier. Leider hat es kurz vor 11 Uhr angefangen zu regnen.
Kurz darauf trennten wir uns und ich fuhr heim. Dennoch war es ein
schöner Abend, wobei ich überfüllte Straßenbahnen mit nervenden
Leuten nach wie vor nicht mag.
Montag
Tag
der Abreise. Zum einen habe ich die Zugtickets so gebucht und zum
anderen hätte es unser Terminplan auch nicht anders zugelassen.
Leider, denn montags war noch gutes Programm und ich hatte mich sehr
auf The Other
gefreut. Alles Jammern und Klagen bringt auch im Nachhinein nichts
und so haben wir es auch gelassen. Wir fuhren also gestärkt zum
Bahnhof und von dort wieder ins Hessenland, um dem Alltag zu begegnen
– oder einen neuen zu schaffen. Ich denke, dass ich ohne die
Erinnerungen, Erlebnisse und gewonnenen Erfahrungen nicht damit
angefangen hätte, hier zu schreiben - oder zumindest nicht sofort.

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